Der Frühling auf der Schwäbischen Alb ist eine besondere Zeit. Nach oft langen und manchmal rauen Wintern erwacht die Natur sichtbar zu neuem Leben. Für uns Imkerinnen und Imker bedeutet das den Start in die aktivste Phase des Bienenjahres. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für welche Maßnahmen am Bienenstand? Wann lösen sich die Wintertrauben auf? Wann beginnt der erste große Polleneintrag? Ein wertvoller Indikator, der uns hier Orientierung gibt, ist die Grünlandtemperatursumme (GTS).

Was ist die Grünlandtemperatursumme (GTS)?

Die Grünlandtemperatursumme, oft auch einfach GTS genannt, ist eine Kenngröße aus der Agrarmeteorologie. Sie beschreibt den kumulierten Wärmeeffekt auf das Pflanzenwachstum im Frühjahr. Vereinfacht gesagt, werden ab dem 1. Januar eines Jahres alle positiven Tagesmitteltemperaturen (der Durchschnitt aus Höchst- und Tiefsttemperatur eines Tages) aufsummiert. Liegt die Tagesmitteltemperatur unter 0°C, wird für diesen Tag 0°C zur Summe addiert.

Ein wichtiger Schwellenwert ist dabei die 200-Grad-Marke. Das Erreichen dieser Summe wird oft als der phänologische Vegetationsbeginn angesehen – der Zeitpunkt, ab dem das Gras auf den Wiesen nachhaltig zu wachsen beginnt.

Warum ist die GTS für Imker auf der Schwäbischen Alb relevant?

Die Entwicklung der Bienenvölker im Frühjahr ist stark temperaturabhängig. Die GTS gibt uns Imkern einen relativ verlässlichen Anhaltspunkt, wann bestimmte Entwicklungsstadien bei den Bienen und in der Natur erreicht werden – oft genauer als der reine Kalendertag, gerade in einer Region wie der Schwäbischen Alb, wo das Frühjahr aufgrund der Höhenlage oft etwas später einsetzt als im Tal.

  • Erste Ausflüge & Reinigungsflug: Schon vor Erreichen der 200-Grad-Marke, an sonnigen Tagen mit Temperaturen über ca. 10-12°C, finden erste kurze Ausflüge und der wichtige Reinigungsflug statt.
  • Beginn des Polleneintrags: Das Erreichen der 200-Grad-Marke korreliert oft gut mit dem Beginn der Blüte wichtiger früher Pollenspender wie Salweide und Hasel. Dieser erste massive Polleneintrag ist der Startschuss für die Königin, die Eilage deutlich zu erhöhen und das Brutnest massiv zu erweitern.
  • Volksentwicklung: Die steigende GTS signalisiert uns, dass die Völker nun verstärkt brüten und wachsen. Dies ist entscheidend für die Planung von Maßnahmen wie:
    • Kontrolle der Futterreserven (Brut kostet viel Energie!)
    • Erste kurze Durchsicht bei geeignetem Wetter (über 15°C, windstill)
    • Gegebenenfalls Erweiterung des Brutraums
  • Trachtbeginn: Spätere GTS-Werte können Hinweise auf den Blühbeginn wichtiger Trachten wie Obstblüte (Kirsche, Apfel auf den Streuobstwiesen der Alb!) oder später Raps geben. Das hilft bei der Entscheidung, wann die Honigräume aufgesetzt werden müssen.

Wo finde ich aktuelle GTS-Werte für die Schwäbische Alb?

Die GTS ist kein statischer Wert, sondern entwickelt sich täglich weiter. Aktuelle Werte und Prognosen sind daher Gold wert. Hier gibt es verschiedene Quellen:

  • Agrarmeteorologische Dienste: Landesanstalten oder Wetterdienste (z.B. DWD, LAZBW) bieten oft regionale Agrarwetterdaten an, manchmal inklusive der GTS für verschiedene Stationen.
  • Lokale Wetterstationen: Private oder halböffentliche Wetterstationen in der Region können ebenfalls zur Berechnung herangezogen werden.
  • Imkerliche Plattformen und Netzwerke: Hier kommt auch beelot.de ins Spiel. Solche Plattformen bündeln oft relevante Informationen für Imker, darunter Wetterdaten, Trachtbeobachtungen und phänologische Daten aus der Community. Es lohnt sich, auf solchen Portalen nach regionalen Daten oder Erfahrungswerten von Kollegen aus der Schwäbischen Alb zu suchen oder diese selbst beizusteuern. Sie können eine wertvolle Ergänzung zu den offiziellen Wetterdaten sein, da sie oft sehr standortnah sind.

Fazit: Die GTS als nützlicher Helfer

Die Grünlandtemperatursumme ist kein Allheilmittel und ersetzt nicht die genaue Beobachtung am Bienenstand und in der Natur. Aber sie ist ein wertvolles Werkzeug, um die Entwicklung im Frühjahr besser einzuschätzen und imkerliche Maßnahmen auf der Schwäbischen Alb besser zu planen. Gerade weil das Wetter hier manchmal seine eigenen Regeln hat, hilft uns die GTS, den tatsächlichen biologischen Startpunkt des Frühlings zu erkennen.

Nutzt die verfügbaren Daten, tauscht euch mit Imkerkollegen aus (vielleicht ja über Plattformen wie beelot.de) und beobachtet eure Bienen und die erwachende Natur auf unserer schönen Alb. Ich wünsche euch allen einen guten Start in die Bienensaison 2025!


Wie nutzt ihr die Grünlandtemperatursumme oder andere Indikatoren für eure Imkerei auf der Schwäbischen Alb? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren!

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